Mit van Gogh durch die Provence

Der niederländische Maler Vincent van Gogh ist heute vor allem für zwei Dinge bekannt: Die Tatsache, dass er zu seinen Lebzeiten kein einziges Bild verkaufte, während seine Werke heute für Millionenbeträge über den Ladentisch gehen, und dass er einst im Wahn sein Ohr abschnitt. Dabei ist Letzteres nicht wirklich korrekt, denn es handelte sich lediglich um das Ohrläppchen und ursprünglich hatte er es gar nicht auf sich selbst abgesehen, sondern auf seinen Malerfreund Paul Gauguin, mit dem er sich monatelang vortrefflich stritt, während die beiden gemeinsam in Arles wohnten.

In der südfranzösischen Provence verbrachte van Gogh seine letzten Lebensjahre und die produktivste Phase seines Schaffens. Vor allem seine atmosphärischen Nachtbilder wie die Sternennacht, der Sternenhimmel über der Rhône und das Café in Arles wurden unsterblich und sind heute auf zahllosen Nachdrucken und Souvenirs zu finden. Und noch heute bieten sich Interessierten viele Möglichkeiten auf den Spuren des Malers zu wandeln und eine Landschaft zu entdecken, die noch genauso authentisch wie zu Ende des 19.Jahrhunderts.

Der ideale Ausgangsort für Erkundungstouren in der westlichen Provence ist das malerische Saint Rémy de Provence am Fuß der Alpilles, das für seine lebhafte kulinarische Szene bekannt ist. Die Gassen des Städtchens sind gesäumt von zahllosen Lokalen, in denen sich abends Touristen und Einheimische gleichermaßen zu provenzalischen Köstlichkeiten treffen. Mit La Maison Jaune und Marc de Passoria besitzt St.Rémy gleich zwei mit Michelin-Sternen gekrönte Restaurants. Als Berühmtester Sohn des Ortes gilt übrigens nicht der Gast van Gogh sondern der Hellseher Nostradamus, der in St.Rémy geboren war und später im nahegelegenen Salon-en-Provence lebte und starb. In St.Rémy erinnert ein Brunnen mit seiner Büste an ihn.

Nur einen guten Kilometer außerhalb von St.Rémy liegt das Kloster Saint Paul de Mausole, damals wie heute eine Nervenheilanstalt, in die van Gogh freiwillig einzog, nachdem er sich in Arles das Ohrläppchen abgeschnitten hatte. Ein kleiner Teil des Klosters ist für Besucher zugänglich, darunter der wunderschöne Klostergarten und das Zimmer, in dem van Gogh lebte. Ein ausgeschilderter Spaziergang führt zu vielen Orten, an denen er einst malte.

Kurios ist, dass van Gogh die benachbarten Ruinen von Glanum nie malte, die sich heute kein Tourist in St.Rémy entgehen lassen sollte: Eine kompakte kleine Römersiedlung mit heiliger Quelle, Tempeln, Forum, Bädern und einem kleinen Amphitheater. Zwar ist nicht mehr allzuviel der Stadt enthalten, doch ihre übersichtliche komplette Anlage gibt einen wirklich guten Eindruck von der Siedlung wider. In der Taverna Romana, die zum Gelände gehört, werden authentische römische Speisen nach antiken Rezepten serviert und Mulsum, der gewürzte Wein der Römer, der an heutigen Glühwein erinnert.

Natürlich darf auch ein Besuch in Arles nicht fehlen um auf den Spuren von van Gogh zu wandeln. Eine Tafel markiert beispielsweise den konkreten Punkt, an dem er sein berühmtes Bild Nacht über der Rhône malte und das abendlich beleuchtete Café gibt es natürlich immer noch am Place du Forum: Heute als von Touristen gern frequentiertes Café van Gogh. Das Krankenhaus in dem er sich sein Ohr wieder annähen ließ, wird heute als Espace van Gogh für Ausstellungen und als Bibliothek genutzt – der Innenhof sieht noch genauso aus wie auf seinem Bild. Die Touristen-Information der Stadt gibt einen speziellen Stadtplan mit einem Rundgang auf den Spuren des Malers heraus.

Natürlich hat Arles dem Besucher noch mehr zu bieten, vor allem die guterhaltene römische Arena, in der einst Gladiatorenkämpfe stattfanden, und das benachbarte römische Theater, das heute im Sommer für Freilichtaufführungen genutzt wird. Sehenswert ist auch die Kirche Saint Trophime am Place de la Republique, die nicht nur eine beeindruckend gestaltete Fassade vorweist sondern in ihrem Inneren auch eine umfangreiche Sammlung an Reliquien und Knochen der vielen Bischöfe von Arles.

Wer dann noch nicht genug von van Gogh hat, fährt durch die wildromantische Landschaft der Camargue bis nach Saintes Maries de la Mer am Mittelmeer, wo er Fischerboote und die Küste malte und wo heute einsame Strände zum Entspannen einladen.

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