Tourismus in Burma (Myanmar)

Tempelstadt Bagan

Seit sich die politische Lage im von einer Militärjunta regierten südostasiatischen Burma entspannt, wird das Land auch für Touristen immer interessanter. Dabei stellt sich natürlich schon die Frage, in wie weit Burma vom neuen Tourismus profitieren wird und wie weit das Land Gefahr läuft, ähnlich wie Thailand und aktuell Vietnam viel von seinem natürlichen Charme zu verlieren, wenn der Massentourismus kommt.

Doch zunächst ist die Entwicklung Burmas in eine offene demokratische Gesellschaft und den steigenden Einnahmen aus dem Tourismus natürlich positiv zu sehen, denn er verhilft endlich auch den normalen Einwohnern des Landes zu bescheidenem Wohlstand und Teilhabe an der Marktwirtschaft.

Was ist eigentlich los in Burma?

Anders als viele andere Länder, in denen die Demokratie mit Füßen getreten wird, hatte Burma nie eine wirkliche Lobby in der Weltgemeinschaft (so wie zum Beispiel Tibet). Dabei wurde kaum ein Land so beispiellos geplündert und unterdrückt wie Burma, das seit 1989 offiziell Myanmar heißt. Die Ursachen dafür sind in der Zeit bis nach dem zweiten Weltkrieg zu suchen, als Burma Teil des riesigen britischen Empires war, das sich in Asien vom heutigen Pakistan bis nach Singapur und darüber hinaus nach Hong Kong erstreckte und dessen Kernstück Indien darstellte. Nach einer turbulenten Phase der Staatsgründung von 1943 bis 1962 putschte sich General Ne Win mit einem Staatsstreich an die Macht und verstaatlichte einen großen Teil der burmesischen Industrie, der Banken und des Handels. Später kooperierte das Militärregime mit den sozialistischen Nachbarländern Indochinas und mit dem großen Nachbarn China, der der Militärregierung bis ins 21.Jahrhundert hinein finanziell unterstützte und am Leben hielt.

Erst als 1988 Massendemonstrationen für Demokratie blutig niedergeschlagen wurden, wurde die Weltgemeinschaft zum ersten Mal auf die Lage in Burma aufmerksam. Zur Ikone der burmesischen Demokratiebewegung wurde die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, deren Nationale Liga für Demokratie zwar die ersten freien Wahlen 1990 gewann, deren Ergebnis von der Junta jedoch nie anerkannt wurde. Erst seit 2010 kam der demokratische Prozess in Burma wieder in Bewegung und Aung San Suu Kyi wurde aus langjährigen Hausarrest entlassen. Ob dem Land wirklich der Wandel zu einer modernen Demokratie hin gelingt, bleibt jedoch noch abzuwarten. Auch liegt die burmesische Wirtschaft nach fünfzig Jahren Misswirtschaft und Ausplünderung vollständig am Boden, obwohl das Land über reiche Bodenschätze und fruchtbare Ländereien verfügt.

Der Tourismus in Burma

Reisen waren in Burma schon lange möglich, wenn auch eher für Abenteuerlustige. Umstritten war auch, ob der “Touristen-Dollar” vor allem von Pauschalreisen nicht direkt in die Taschen des korrupten Regimes wanderten, während unabhängige Backpacker immerhin lokale Zimmervermieter, Garküchen und Souvenirhändler unterstützten. Auch waren nur wenige Gebiete Burmas überhaupt für Touristen zugänglich, darunter die Metropole Rangoon (auch Yangon genannt), die Königsstadt Mandalay im Norden, das UNESCO-Weltkulturerbe von Bagan, der malerische Inle-See und der Badeort Ngapali Beach am Indischen Ozean. Wer sich jedoch auf den Weg machte, wurde mit einem tief religiösen, urtümlichen Asien belohnt, das es so in anderen Ländern gar nicht mehr zu erleben gibt.

Die größte Sehenswürdigkeit und eine der prächtigsten Anlagen ganz Südostasiens ist die Shwedagon Pagode von Rangoon, die von einer fast hundert Meter hohen goldenen Stupa dominiert wird. Die Hauptstupa, in der angeblich acht Haupthaare des Buddha eingemauert sind, wird wohl zahlreichen kleineren Stupas, Tempeln, Buddhafiguren, Nagas und Chinthes (mythischen Wächtern, halb Drache, halb Löwe) umgeben sind. Das alte britische Kolonialviertel am Ufer des Yangon River ist dagegen heute in einem durchweg traurigen Zustand.

Das kulturelle Herz Burmas ist jedoch die alte Königsstadt Mandalay am Irawaddy-River, die heute wieder als wirtschaftlicher Knotenpunkt des Landes vor einem großen Aufstieg steht. Der Königspalast, dessen letzten Resident König Thibaw die Briten 1885 ins indische Exil schickten, wurde 2.Weltkrieg bei Kämpfen zwischen japanischen und britischen Truppen vollständig zerstört und originalgetreu wieder aufgebaut. Sehenswert sind auch die vielen Pagoden von Mandalay, wie die Kuthodaw-Pagode, in der die Lehre des Buddha auf 729 Tafeln geschrieben wurde, von denen jede einzelne Tafel in einer eigenen Stupa untergebracht ist.

Unbedingt sehenswert ist auch die alte Tempelstadt Bagan (ebenfalls am Irawaddy), wo auf einer Fläche von über 35 Quadratkilometern zahllose alte Stupas und Pagoden verstreut sind. Die große Zeit der Königsstadt Bagan war im 11.- 13.Jahrhundert, ehe sie vom legendären Mongolenherrscher Kublai Khan erobert wurde. Die beste Möglichkeit, die einzigartigen Anlagen von Bagan zu erkunden, ist bei einer Fahrt mit dem Heißluftballon. Radtouren sind möglich, jedoch bei der tropischen Hitze und dem schlechten Zustand der Wege nicht unbedingt empfehlenswert.

©Foto – wikimedia commons

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