Trauminsel mit Trubel: Urlaub auf Ko Samui

Kaum eine andere Insel hat es so gut verstanden, sich als “tropische Trauminsel” in Thailand zu verkaufen wie Ko Samui im Golf von Thailand. Während Phuket oft mit Massentourismus gleichgesetzt wird und Pattaya mit Girlie-Bars und Schmuddel, denken Urlauber bei Ko Samui vor allem an weiße Palmenstrände und an exklusive Resorts mit Bungalows mit Privatpools.

Chaweng Beach

Dabei ist dies nur eine Seite von Ko Samui – und nicht die, die die meisten Urlauber erleben werden. Tatsächlich sind überall auf der Insel luxuriöse Resorts verstreut, die all das bieten, was der Hochglanzprospekt verspricht: Weitläufige Anlagen an malerischen Badebuchten, Bungalows mit eigenem Infinity-Pool, luxuriöse Wellness-Abteilungen und Büffets, die sich unter köstlichen Speisen biegen. Doch diese Resorts sind gewöhnlich so abgelegen, dass für jeden Spaziergang in Dörfern mit Geschäften, Bars und Restaurants ein Taxi notwendig ist. Die Hauptorte von Samui sehen anders aus.

Der größte und wichtigste Ferienort von Samui ist Chaweng an der Ostküste: Über mehrere Kilometer zieht sich hier ein wunderschöner Sandstrand an der Küste entlang, an dem sich entsprechend viele Resorts aneinander reihen. Ein großer Vorteil von Chaweng und von Samui im Allgemeinen ist die Tatsache, dass die Hotels nirgendwo höher als die Palmen gebaut werden dürfen. So ergibt sich ein harmonischer Eindruck von viel Grün und Ruhe ohne die Betonbauten, die soviele andere Küsten weltweit verschandeln. Beliebt sind in Chaweng auch Restaurants, die abends ihre Tische direkt an den Strand stellen. Wer mit den Füßen im Wasser Thai Curries und frischen Fisch genießen will, ist hier richtig.

Mit der paradiesischen Ruhe ist es spätestens bei Anbruch der Dunkelheit jedoch vorbei, wenn zahllose Bars ihre Verstärker aufdrehen und sich das Partyvolk zu sammeln beginnt. Denn was den Deutschen ihr Ballermann in Mallorca ist, ist den Australiern Chaweng Beach. Und nicht nur junge trinkfeste Aussies tummeln sich an der Ostküste von Samui: Die Insel zieht auch viele der zahllosen jungen Backpacker an, die jedes Jahr Thailand bereisen und an Land und Kultur weniger Interesse haben als an billigem Bier, Gras und Sex. So ziehen sich an der Chaweng Beach Road zahllose Kneipen und Bars hin, die sich mit Fast Food-Ketten und Restaurants aus aller Welt abwechseln. Vor allem kurz vor und nach Vollmond ist die Hölle los, denn dann stürmen Tausende junge Leute die Insel um über dem Flughafen von Samui auf die kleine Nachbarinsel Ko Phangan weiter zu reisen, wo seit vielen Jahren die “Full Moon Parties” am Strand von Hat Rin stattfinden. Was einst als kleine Hippie-Verstaltung mit einigen hundert Teilnehmern begann, ist heute zum kommerziellen Massenspektakel verkommen.

Buddha im Wat Leam Sunawaram

Der südlich von Chaweng gelegene Badeort Lamai galt lange Zeit als ruhigere Alternative, doch er hat sich in den letzten Jahren zum Zentrum der Girlie-Bars auf Samui entwickelt, während Chaweng eine gewisse Renaissance erlebt mit neuen hochpreisigen Resorts. Etwas ruhiger ist es auf der Westseite der Insel am Strand von Bo Phut, wo es mit dem “Big Buddha” und dem farbenprächtigen Tempel Wat Leam Suwanaram zwei der schönsten Sehenswürdigkeiten zu bewundern gibt.

Allerdings sollten Ausflüge mit Vorsicht bedacht werden: Samui hat eine der höchsten Raten an Verkehrstoten weltweit zu beklagen – dabei handelt es sich häufig um Touristen. An jeder Ecke werden Motorroller an junge unvorsichtige Backpacker verliehen, die viel zu schnell und oft auch noch betrunken auf den kurvigen schlechten Straßen der Insel unterwegs sind und dabei häufig auch noch vergessen, dass in Thailand Linksverkehr herrscht. In der Hochsaison landen fast täglich Touristen nach Verkehrsunfällen im Krankenhaus von Samui und viele bezahlen ihren Leichtsinn mit dem Leben.

Natürlich lohnt sich Samui trotz allem als Reiseziel: Die Insel verfügt über schöne Strände, aufregende Ausflugsziele, spannende Sehenswürdigkeiten und viele Unterhaltungsmöglichkeiten. Neben viel Tand und gefälschen Luxusuhren lässt sich auf der Chaweng Beach Road sehr gut günstige Sommerkleidung kaufen und alle hundert Meter wartet ein Schönheitssalon mit Thai Massagen, Gesichtsbehandlungen und vielem mehr, in dem sich vor allem weibliche Touristinnen erholen können, die hier ein Bruchteil dessen bezahlen, was in Deutschland verlangt wird. Wer allerdings ein Tropenparadies mit paradiesischer Einsamkeit sucht, sollte lieber die Malediven wählen.

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