Zu Fuß um Wales herum

Mount Snowdon

Die Waliser gelten im restlichen Großbritannien schon lange als eigensinniges Völkchen, das auch nach 1000 Jahren Zugehörigkeit zum “United Kingdom” noch Ressentiments gegen die Engländer legt und seine eigene Sprache – das aus dem Keltischem Sprachkreis stammende Walisisch – hochhält, obwohl es lediglich jeder fünfte Waliser spricht. Vor allem im Sport wird die walisische Flagge – grün-weiß mit einem roten Drachen darauf – hochgehalten und als sich Wales in diesem Jahr mit dem Gewinn des Six Nation Cups den Rugby Grand Slam sicherte, war das ganze Land außer Rand und Band vor Freude.

Bei ausländischen Besuchern ist “Cymru” dagegen noch immer eine unbekannte Größe – sie zieht es meistens in den malerischen Südwesten Englands nach Cornwall und Devon oder in die rauen schottischen Highlands im hohen Norden.

Dabei bietet Wales nicht nur uralte keltische Ritterburgen und mehrere Weltkulturerbestätten, sondern auch wunderschöne Sandstrände, die seit Jahrzehnten Camper und Urlauber aus Großbritannien in den Westen locken. Ab kommenden Samstag bietet sich nun eine weitere Möglichkeit an, das kleine Land ausführlich kennenzulernen: Mit dem neuen “Coast Path”, der der gesamten Küstenlinie von Wales auf insgesamt 1400 Kilometern Länge folgt.

Seebad Llandudno

Wer dem Küstenpfad von Norden nach Süden folgt, beginnt seine Reise westlich der (englischen) Stadt Chester, wo die Mündung des Flusses Dee die Grenze zwischen England und Wales markiert. Doch schon in Chester, einst als “Deva” die nördlichste Garnisonsstadt des römischen Reiches gegründet, ist Wales ganz nahe, denn die Straßenschilder sind teilweise zweisprachig gehalten. An der Nordküste von Wales führt der Küstenpfad entlang so bekannter Badeorte wie Colwyn Bay, Llandudno und dem schier unaussprechlichem Dwygfylchi, bis zur Insel Anglesey, die über die Menai Bridge mit dem Festland verbunden ist.

Die heilige Insel Anglesey

Schon den Römern war die Insel unter ihrem walisischen Namen Môn bekannt und zahlreiche Megalithen und Menhire beweisen, dass sie schon in der Vorzeit besidelt war. Später galt sie als Sitz der keltischen Druiden, die von den Römern aufs heftigste bekämpft wurden. Später war Aberffraw viele Jahrhunderte Zentrum des Königreiches von Gwynedd, ehe ganz Wales von den Engländern erobert wurde. Ein beliebtes Ziel für Touristen ist der Ort Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch schon alleine um am Bahnhof das Ortsschild des Dorfes mit dem längsten Namen der Welt zu fotografieren. Die Einheimischen nennen den Ort übrigens ganz einfach Llanfairpwll.

Ebenfalls auf Anglesey befindet sich Beaumaris Castle, eine der vier beeindruckenden Burgen aus der Zeit Edward I., die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören. Die anderen drei Burgen sind Conwy, Caernarfon und Harlech auf dem Festland. Tief in der walisischen Folklore ist vor allem Harlech Castle verankert, dessen legendäre siebenjährige Belagerung während der Rosenkriege im 15.Jahrhundert im heute noch gern gesungenen “Men of Harlech” festgehalten wurde.

Three Cliffs Bay

Südlich der Region führt der Küstenpfad am Snowdonia National Park entlang, der bei Wanderern, Bergsteigern und Reitern sehr beliebt ist. In seinem Zentrum befindet sich der Mount Snowdon, mit 1085 Metern der höchste Berg von Wales. In seiner rauen Schönheit steht der National Park den schottischen Highlands in nichts nach.

Strände finden sich an der walisischen Westküste nur wenige, dafür jedoch eine umso beeindruckendere Steilküste und gemütliche kleine Orte. Wer Glück hat, kann Delfine, Schildkröten und Robben in der Cardigan Bucht erspähen.

Dichtbesiedelte Südküste

Nach der Umrundung der Halbinsel von Pembrokeshire im äußersten Südwesten von Wales – deren 300km langer Küstenpfad die Keimzelle des walisischen Küstenpfades darstellte – warten an der Südküste die größten Städte von Wales auf Besucher: Swansea und die Hauptstadt Cardiff. Zwischen den beiden verstecken sich kleine Badebuchten und größere Badeorte wie Port Talbot in der Swansea Bay.

Cardiff Castle

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der etwa 350.000 Einwohner zählenden Stadt Cardiff, die auf walisisch Caerdydd genannt wird, gehören Cardiff Castle, Llandaff Cathedral und das Wales Millennium Centre am neugestalteten Hafen. Ein Muss für Besucher ist ein Abstecher zum St.Fagans National History Museum, einem riesigen Open Air Museum, das das traditionelle Leben und Arbeiten der walisischen Bevölkerung in vergangenen Jahrhunderten nachstellt.

Der Küstenpfad ist jedoch noch nicht zuende: Er folgt noch etwa 30 weitere Kilometer dem Küstenverlauf bis Chepstow, wo der Severn die Grenze zwischen Wales und England markiert. In früheren Zeiten war Chepstow der größte Hafen und ein wichtiger Marktplatz für den Handel im Westen der britischen Insel, doch heute kommen Besucher in erster Linie um die malerischen Ruinen der mittelalterlichen Burg und die schöne Landschaft am Zusammenfluss von Severn und Wye zu bewundern.

 

©Alle Fotos: Wikimedia Commons

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